07.02.2007

Betrieb und Mitarbeiter ­ eine Symbiose

NEUMARKT. „Beruf und Familie, unvereinbar oder doch kein Gegensatz?


Mittelbayerischen Zeitung (www.mittelbayerische.de), 7.2.2007

NEUMARKT. „Beruf und Familie, unvereinbar oder doch kein Gegensatz? „Dies liegt auch an der Firma, in der man tätig ist“, sagt die Unternehmerin Sabine Schönberger. Am Montag hat sich das Neumarkter Gremium der Industrie- und Handelskammer mit dem Thema „Familienfreundliche Unternehmen“ beschäftigt. Sabine Schönberger und ihre Kolleginnen Andrea Dengel vom Bürgerhaus Neumarkt und Rechtsanwältin Gabriele Peukert von den Wirtschaftsjunioren machten dabei klar, dass familienorientierte Personalpolitik heutzutage Standart in deutschen Unternehmen sein müsse. „Der Mangel an Fachkräften wird immer gravierender. Wer gute und motivierte Kräfte an sein Unternehmen binden möchte, muss familienorientiert denken“, sagte Schönberger.

In ihrem metallverarbeitenden Betrieb mit 28 Mitarbeitern im oberpfälzischen Wölsendorf liege die Fluktuationsrate bei null Prozent, die Krankheitsquote bei 1,8 Prozent. „Es geht um eine Symbiose von Betrieb und Mitarbeiter. Nur wer heute mehr bietet als nur einen Arbeitsplatz, kann im internationalen Wettbewerb bestehen.“

Nach Angaben des Vorsitzenden des Industrie- und Handelskammergremiums Neumarkt, Stefan Rödl, besteht in dieser Hinsicht noch Nachholbedarf in Neumarkt. „Unsere Unternehmen sind für die Zukunft sehr gut aufgestellt, aber im Bereich familienorientierter Personalpolitik muss noch einiges getan werden“, sagte Rödl. Familienorientierte Personalpolitik habe nichts mit Sozialromantik zu tun, sondern verfolge knallharte wirtschaftliche Interessen. „Schon jetzt werden gut ausgebildete Kräfte knapp. Somit muss ein Betrieb im Wettbewerb weit mehr bieten als dies früher der Fall war“, betonte Rödl.

Bayerischer Frauenförderpreis oder familienfreundlichstes Unternehmen Deutschlands in der Kategorie bis 50 Mitarbeiter — dies sind nur zwei von vielen Auszeichnungen, die die Firma Schönberger für ihre Personalpolitik erhalten hat. Doch wie sieht das familienfreundliche Unternehmen konkret aus? Mitarbeiter können etwa gemäß ihren Vorlieben und ihrer Eignung die Stellenbeschreibung mitgestalten und somit auch den Einsatzort wählen. Außerdem besteht laut Sabine Schönberger grundsätzlich die Möglichkeit, Mehrstunden und Urlaub unbegrenzt anzusammeln und bei Bedarf entsprechend Arbeitsanfall und familiärer Belange abzubauen.

„Zudem werden familiäre Belange bei der Montageplanung stets berücksichtigt. Einkäufe können bei Zeitnot auch über das Personalbüro der Firma erledigt werden“, beschreibt Schönberger eine der umfangreichen Maßnahmen. „Erwartet die Partnerin eines Mitarbeiters Nachwuchs, so wird dieser in den letzten drei Monaten der Schwangerschaft von heimatfernen Montageeinsätzen freigestellt.“

Als Zeichen ihrer Familienfreundlichkeit erhält der Betrieb die Auszeichnung „Audit Familie und Beruf“. Nach einer Grundphase wird das Unternehmen alle drei Jahre auf seine Familienfreundlichkeit überprüft. Nähere Informationen zur familienorientierter Personalpolitik gibt es im Bürgerhaus bei Anita Dengel unter Telefon (09181)5110 39 oder bei Rechtsanwältin Gabriele Peukert unter Telefon (09181 )2388 15.

Ein positives Bild gezeichnet

Ein weiterer Programmpunkt am Montag war die derzeitige konjunkturelle Lage im Landkreis und in der Stadt Neumarkt und die Erwartungen für die Zukunft. Hier konnte Stefan Rödl ein insgesamt positives Bild zeichnen. „Die Unternehmen sind für die Zukunft alle positiv gestimmt.“ Allerdings bereiteten die hohen Energiepreise und die Mehrwertsteuererhöhung Sorgen. „Wir hoffen, dass die Kauflust nicht getrübt wird und die Unternehmen ihre Produkte auch 2007 so gut absetzen können wie im vergangenen Jahr“, sagte Rödl. Auffallend positiv habe sich die im Landkreis stark vertretene Baubranche entwickelt. „Hier wurden nach einem Jahrzehnt Schrumpfung wieder Gewinne eingefahren“, freute sich Rödl.