01.06.2007

Den Menschen im Mitarbeiter pflegen

Beschäftigte, ihr Umfeld und der Betrieb - IHK-Seminar zeigt Perspektiven auf


Der Neue Tag, 01.06.2007

Schwandorf/Steinberg am See. (rid)
Sabine Schönberger aus Schwarzach/ Wölsendorf führt eine Metallbaufirma mit 30 Mitarbeitern, die 2005 die Auszeichnung "familienfreundlichstes Unternehmen in Deutschland" erhielt. Ihr Erfolgsrezept lautet: "Wenn sich meine Mitarbeiter wohl fühlen, dann geht es auch dem Unternehmen gut".
"Betriebe mit zufriedenen Mitarbeitern werden in Zukunft einen noch größeren Wettbewerbsvorteil haben", zeigte sich auch der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Dr. Jürgen Helmes, bei einem Seminar für Firmeninhaber und Personalchefs im Gasthaus Fenzl in Steinberg am See überzeugt.

Personal pflegen
Diplom-Volkswirt Dr. Christian Götz, bei der IHK für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, prophezeit "einen erbitterten Kampf der Unternehmen um Fachkräfte". Vor diesem Hintergrund tue jeder Betrieb gut daran, "sein qualifiziertes Personal zu pflegen". Richard Brunner, IHK-Geschäftsführer in Cham, setzt auf eine bessere Bildung der Schulabgänger, auf Zuwanderung, einen höheren Frauenanteil und den Rückgriff auf ältere Arbeitnehmer, um den Facharbeitermangel in Griff zu bekommen. Eines ist allen klar: Die Unternehmen müssen sich stärker an den Interessen der Familien orientieren.
So wie Sabine Schönberger, die sich um die privaten Probleme ihrer Mitarbeiter persönlich annimmt, um ihnen den Kopf frei zu halten für die Arbeit im Betrieb. Mit der Übertragung von Verantwortung stärkt sie auch das "Wir-Gefühl" unter der Belegschaft. Ernie L. Egerer ist Inhaberin einer Privatbrauerei mit 200 Mitarbeitern und schweißt die Betriebsfamilie dadurch zusammen, dass die Fahrer in den Ferien ihre Kinder mit auf Tour nehmen dürfen oder sie die therapeutische Behandlung von Angestellten bezahlt, die ein Suchtproblem haben.

Sorgen ernst nehmen
Horst Semmler und Barbara Brunner sind Mitarbeiter einer niederbayerischen Firma mit 800 Mitarbeitern und kümmern sich ebenfalls um die privaten Sorgen des Personals, wobei sie in schwierigen Fällen sogar einen externen Dienstleister einschalten. Denn sie wissen: "Wenn Mitarbeiter Probleme haben, dann hat auch das Unternehmen welche". Gisela Erler, Geschäftsführerin einer Familienservice, stellte fest, dass im Landkreis Schwandorf nur für 1,7 Prozent der unter Dreijährigen Betreuungseinrichtungen bestehen. Ein Defizit, das sich eine Region in einer globalisierten Welt heute nicht mehr leisten könne.