15.05.2007

Familienorientierung bringt Gewinn

Woran denken Sie, wenn mal wieder über "Familienorientierte Personalpolitik" diskutiert wird?


IHK Magazin "Wirtschaft konkret", Ausgabe Mai 2007

Woran denken Sie, wenn mal wieder über "Familienorientierte Personalpolitik" diskutiert wird? Seien Sie ehrlich: Sie denken an den Betriebskindergarten oder an Sonntagsredner, die an das soziale Gewissen der Unternehmer appellieren. Vor Ihrem geistigen Auge sehen Sie vielleicht sogar Frau von der Leyen, umringt von einer groen Kinderschar.

Aber Personalpolitik ist kein "weiches" Thema. Vielmehr geht es um die Zukunft Ihres Unternehmens. Es geht um betriebswirtschaftliche Planung und unternehmerische Strategie. Die gute wirtschaftliche Entwicklung unserer Betriebe ist auf die Talente, auf das Wissen und das Können der Mitarbeiter angewiesen. Der Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist schon heute gro und wird weiter zunehmen. Wir können es uns nicht leisten, mit unserem Humanvermögen achtlos umzugehen, schon gar nicht in Zeiten, in denen Fachkräfte absehbar knapp werden. Deswegen ist es wichtig, die Produktivität unserer Unternehmen und die Lebenswünsche unserer Mitarbeiter zur Übereinstimmung zu bringen.

Zwischen den beiden herausragenden Lebensbereichen Familie und Arbeitswelt besteht nicht zwingend ein Konkurrenzverhältnis. Vielmehr bringt familienorientierte Personalentwicklung auch unternehmerischen Gewinn. Denn die Mitarbeiter sind motivierter, die Fehlzeiten sind niedriger und die Fluktuation ist geringer. Auerdem ist die familienfreundliche Personalpolitik ein Ausweg aus der demographischen Falle, die auch unsere Region treffen wird, wie eine IHK-Studie aus dem vergangenen Jahr zeigt.

Wir berichten in diesem Heft über Unternehmen wie die Metall- und Stahlverarbeitung Anton Schönberger in Wölsendorf im Landkreis Schwandorf, die zeigen, wie man mit geschickter Personalpolitik, die sich an den verschiedenen Lebens- und Familiensituationen der Mitarbeiter orientiert, überaus erfolgreiche Personalpolitik betreiben kann. Trotz der erforderlichen überdurchschnittlichen Qualifikation und der erschwerten Arbeitsbedingungen gibt es bei Schönberger praktisch keine Fluktuation, keinen Mangel an qualifizierten Ausbildungsbewerbern und die Mitarbeiter sind hoch motiviert.

Personalpolitik ist, wie alle strategischen Themen, Chefsache. Sie muss langfristig angelegt sein und darf sich nicht nur an der Gegenwart sondern muss sich, wie kaum ein anderes unternehmerisches Entscheidungsfeld, an den Erfordernissen der Zukunft ausrichten. Wir Unternehmer sind in der Pflicht, in unseren Unternehmen die Schnittstellen zwischen Beruf und Familie mit Weitblick zu gestalten.

Peter Esser
IHK-Präsident

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