26.05.2007

Wie man Mitarbeiter gewinnt und bindet

Kinder im Büro und ein Scheck zur Hochzeit: Beispiele aus ostbayerischen Unternehmen


IHK-Sprecher Dr. Christian Götz, IHK-Geschäftsstellenleiter Cham Richard Brunner, Gisela Erler vom Familienservice, Sabine Schönberger (Geschäftsführerin Anton Schönberger GmbH), Ernie Egerer (Geschäftsführerin Privatbrauerei Egerer), Betriebsratsvorsitzender Herbert Semmler und Personalreferentin Barbara Brunner (beide Harman-Becker) sowie Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg (von links) Foto: Henning

Mittelbayerischen Zeitung (www.mittelbayerische.de), 26.05.2007
Von Jens Henning, MZ

STEINBERG. Was tun, wenn die Bewerberbörsen leer gefegt sind? Für die meisten ostbayerischen Mittelständler ist das bis heute keine Frage, die ihnen schlaflose Nächte bereitet. Das könnte sich aber bald ändern, warnt die IHK Regensburg. „Schon in wenigen Jahren könnte in einigen Branchen der Nachschub an Fachkräften ausgehen“, warnt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes. Einige Branchen wie der IT-Sektor klagten schon heute über einen Mangel an qualifizierten Mitarbeitern auf dem Arbeitsmarkt. Die IHK Regensburg will mit einer offensiven Informationspolitik versuchen, in Oberpfälzer Firmen frischen Wind im Umgang mit dem Mitarbeitern wehen zu lassen. In der vergangenen Woche machten sich auf Initiative der IHK Unternehmer und Personalverantwortliche in Steinberg (Landkreis Schwandorf) Gedanken über das Personalmanagement der Zukunft.

Mitarbeitermarketing heißt das Schlagwort der Stunde: Ein Blumenstrauß zum Geburtstag, einen Tag frei zum Hochzeitstag und eine Prämie bei der Geburt des Nachwuchses: Was nach dem Paradies für Arbeitnehmer klingt, ist in einem Oberpfälzer Unternehmen seit einigen Jahren Realität. Die Stahlbaufirma Anton Schönberger in Wölsendorf im Landkreis Schwandorf gilt unter Experten bundesweit als eines der besten Beispiele für gelebtes Mitarbeitermarketing in Deutschland. Neben den Schecks anlässlich von Geburt und Eheschließung (jeweils mehrere hundert Euro) gewähren die generösen Unternehmerinnen ihren Mitarbeitern auch zinsfreie Darlehen und zahlen für die Sprösslinge ihrer Angestellten den Kindergarten.

Weitere Vorteile für die Schönberger-Mitarbeiter: Bei Notfällen – ob Wohnungsbrand, Autounfall oder längere Krankheit – helfen die Geschäftsführerinnen großzügig. Zusätzlich bieten sie all ihren Angestellten eine umfassende kostenlose betriebliche Altersvorsorge und eine kostenlose Unfallversicherung, die auch im Privatbereich gilt. „Die Kombination aus finanziellen und weichen Faktoren ist entscheidend“, erklärte Geschäftsführerin Sabine Schönberger.

Eine Studie der IHK Regensburg beweist: Jedes mittelständische Unternehmen in Ostbayern ist gut beraten, sich schon heute Gedanken zu machen über den drohenden Fachkräftemangel der nächsten Jahrzehnte. Denn gerade in ländlichen Regionen der Oberpfalz wird es bald nicht mehr so viel Nachwuchs geben, wie Mitarbeiter pensioniert werden. Viele junge Menschen fühlen sich – der Reputation, des Klanges, der vermeintlich größeren Sicherheit und der besseren Vergütung des Arbeitsplatzes wegen – von größeren Unternehmen angezogen. Da sei es wichtig, als Mittelständler seine Mitarbeiter mit vielfältigen Maßnahmen an sich zu binden, glaubt die IHK. „Wir haben noch nie zusammengerechnet, was uns das kostet“, sagt Sabine Schönberger. Dennoch schwört sie auf ihr Modell und ist sich sicher, dass das Unternehmen gewinnt und nicht verliert: „Durch den motivierten sowie unproblematischen, variablen Einsatz langjährig erfahrener Mitarbeiter können wir uns viele Wettbewerbsvorteile sichern“, erklärt sie. „Wir leben eine Führungsethik, die ganz nahe am Mitarbeiter ist und das zahlt sich aus“, sagte Ernie Egerer, Geschäftsführerin der Privatbrauerei Egerer im niederbayerischen Großköllnbach. Die gelernte Familien- und Paartherapeutin versucht, ihr Know-how in den Brauereibetrieb zu integrieren. „Uns ist wichtig, den Mitarbeiter als Menschen anzunehmen“, sagt sie. Konkret: Der Sohn ist auf dem Beifahrersitz von Papas Bierlaster willkommen, Kinder im Büro und Erziehungsauszeiten nicht nur für Mütter sind völlig normal. „Wir sehen uns als Mutmacher für andere Unternehmen“, so Egerer, die für ihr Engagement bereits mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.

Barbara Brunner, Personalverantwortliche beim Autozulieferer Harman-Becker in Straubing ergänzt: „Das Miteinander von Arbeitgeber und Arbeitnehmern ist entscheidend.“ Mit dem Betriebsrat wurden Angebote wie das Lebenslagencoaching erarbeitet. Mitarbeiter erhalten Hilfe bei privaten Problemen wie Scheidung, Trennung oder Erziehung.