05.05.2002

Verleihung des "Bayerischen Frauenförderpreises" in München

Verleihung des "Bayerischen Frauenförderpreises" in München


Staatsministerin Christa Stewens (Mitte) im Kreis der Hauptpreisträgerinnen des "Bayerischen Förderpreises".

Bayerische Staatszeitung, Wirtschaft - Ausgabe Nr. 49/2002

Zum fünften Mal wurde Ende November der "Bayerische Frauenförderpreis" verliehen. Damit würdigt die Staatsregierung das Engagement von Unternehmen, die sich in vorbildlicher Weise für Chancengleichheit von Frauen und Männern einsetzen. In ihrer Rede beim Festakt im Kaisersaal der Münchener Residenz verwies Christa Stewens auf positive Entwicklungen. "Viele bayerische Unternehmen setzen sich bereits heute eindrucksvoll für eine frauen- und familiengerechte Arbeitswelt ein", berichtete die Frauenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung und Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen.

"Vorausschauende Unternehmen und Betriebe haben erkannt, dass sie auf die besonderen Qualifikationen von Frauen, zum Beispiel soziale und kommunikative Kompetenz" ebenso wenig verzichten können wie auf "50 % der Intelligenz", sagte Stewens im Zusammenhang mit den überzeugenden Prüfungsergebnissen von Mädchen und Frauen. Mit 55 % stellen Mädchen bei den höheren Schulabschlüssen die Mehrheit dar. Und: "Die Noten der Abiturientinnen sind deutlich besser als die ihrer männlichen Mitschüler. Ähnlich verhält es sich bei Abschlüssen an Hochschulen, Fachhochschulen und im Beruf."

Chancengleichheit von Frauen und Männern werde, so Stewens, von immer mehr Arbeitgebern als Kriterium anerkannt, das wichtig ist, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Entsprechend seien verstärkte Bemühungen um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern zu beobachten. Diese Strategie bewähre sich laut den übereinstimmenden Aussagen der Unternehmen, die sich in den vergangenen Jahren um den "Bayerischen Frauenförderpreis" beworben hatten, in vielfacher Hinsicht. Die positiven Wirkungen reichten von größerer Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie einem angenehmeren Arbeitsklima über mehr Motivation und Einsatz bis hin zu höherer Produktivität und geringerer Fluktuation der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Christa Stewens räumte jedoch ein, "dass Chancengleichheit auf dem Papier und in Gesetzestexten noch keine Chancengleichheit im Alltag bedeutet" und "Frauen in der Arbeitswelt immer noch Defizite hinnehmen" müssen. Als augenfälligste Benachteilgungen führte die Ministerin an, dass Frauen, trotz gleicher Qualifikation und Tätigkeit, nach wie vor rund 25 % weniger verdienen als Männer. Deutlich unterrepräsentiert seien Frauen in Führungspositionen. Die Ursache für den Rückstand sieht Stewens darin, "dass Frauen nach wie vor stärker in der Familie engagiert sind als Männer".

Mit Bezug auf aktuelle Studien daraus geht unter anderem hervor, dass 36 % der Personalchefs die Verbindung von Kindern und Erwerbstätigkeit problematisch sehen - bezeichnete Stewens "Familie für Frauen" als "eher karrierehinderlich". Ebenfalls durch Umfragen belegt ist, wie die Ministerin schilderte, "dass Frauen und Männer nicht auf nur einen Zuständigkeitsbereich, nämlich Familie oder Berufstätigkeit, beschränkt werden wollen, sondern beides in einer echten Partnerschaft vereinbaren möchten".

Voraussetzungen dafür zu schaffen, erklärte Stewens zur Aufgabe von Politik, Staatsregierung, Arbeitgebern und Tarifvertragspartnern, denn "nicht die Familie muss auf die Arbeitswelt zukommen, sondern die Rahmenbedingungen der Arbeitswelt müssen der Familie entgegenkommen". Diese Notwendigkeit sieht auch die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, die durch Alexandra Pirzer bei der Preisverleihung vertreten wurde: "Es wäre zu einfach, nur etwas von der Politik zu fordern. Wir als Wirtschaft müssen auch selbst zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf beitragen. Und das tun wir auch. Viele unserer Mitgliedsunternehmen sind dabei äußerst aktiv - und zwar ohne gesetzlichen und tarifvertraglichen Zwang." Von dem Engagement zeugt eine verbandsinterne Umfrage, die ergab, "dass 89 % der Betriebe Arbeitsbeginn und -ende variabel gestalten, 87 % Teilzeitarbeitsplätze und 36 % Telearbeitsplätze bieten sowie 9 % Kindergärten und -krippen fördern".

In der Hoffnung, dass die vorbildlichen Beispiele reichlich Nachahmung finden, wurde der "Bayerische Frauenpreis" heuer unter das Motto "Erfolgsmodelle einer frauen- und familiengerechten Arbeitswelt" gestellt. Um die Auszeichung, die mit 20.000 dotiert ist, bewarben sich 49 Unternehmen. Drei von ihnen bekamen den 1. Preis in paritätischer Aufteilung verliehen. Die Deutsche Telekom AG Südbayern wurde gewürdigt "für die konsequente Entwicklung und Umsetzung von Maßnhmen zur Chancengleichheit, ein breites Angebot an Personalentwicklungsmaßnahmen für Frauen und gezielte Aktivitäten zur Gewinnung von Mädchen für die Ausbildung in technischen und informationstechnischen Berufen". Die Münchner Firma Winkelhofer & Söhne GmbH & Co. KG IWIS Ketten überzeugte die Jury durch "die Förderung von Frauen in Führungsfunktionen auch in der Technik, Aktivitäten zur Gewinnung von jungen Frauen für die Ausbildung in technischen Berufen und einen vor über 30 Jahren gegründeten betriebseigenen Kindergarten". Die Firma Anton Schönberger Stahlbau & Metalltechnik aus dem oberpfälzischen Wölsendorf bei Schwarzach wurde prämiert wegen der "Vorbildfunktion in einer männlich geprägten Branche durch Bemühungen zur Gewinnung von Mädchen und Frauen für technische Berufe sowie unkonventionelle familienorientierte Angebote".

Eine besondere Auszeichnung, die für "nachhaltiges Engagement bei der Frauenförderung" erstmals vergeben wurde, bekam die Firma DT&Shop aus Bad Bocklet. Das Dentalbedarf-Versandhandelsunternehmen bietet beispielsweise seit seiner Gründung im Jahr 1978 flexible Arbeitszeiten. Zur selben Zeit schuf es den ersten Arbeitsplatz zuhause. Anerkennungen und Urkunden "für gute Ideen zur Verbesserung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der betrieblichen Praxis" erhielten neun Unternehmen: Avon Cosmetics (Neufahrn), Comet Computer (München), EDV Konkret Schulungs- und Weiterbildungs GmbH (Augsburg), die Bayerische HypoVereinsbank AG (München), M Plus Verkaufsförderung KG (Großlangheim), das Werk Augsburg der Robert Bosch GmbH, die Wirtschaftsprüfungskanzlei Rödl & Partner (Nürnberg), T3 Medien GmbH The Knowledge Company (Nürnberg) sowie die Nürnberger Fruen:ComputerSchule, die damit bereits zum zweiten Mal gewürdigt wurde.

Elisabeth Zeitler