08.12.2002

Wölsendorfer Chefinnen ein Vorbild für ganz Bayern

Frauenförderpreis 2002 für die Stahlbau und Metalltechnikfirma Schönberger / ein Unternehmen mit Familiensinn


Bayerischer Frauenförderpreis 2002

Sabine und Andrea Schönberger mit weiteren Repräsentanten der Firma bei der Preisverleihung mit Staatsministerin Christa Stewens (3.v.r.) in München.

Groß ist die Freude der Juniorchefinnen, dass unter den insgesamt sechs Metallbauer-Azubis auch ein Mädchen ist.

MZ Mittelbayerische Zeitung, 07/08.12.2002

Weil bei uns die Männer die gleichen Chancen haben wie die Frauen", antworten Andrea und Sabine Schönberger auf die Frage, warum ihre Stahlbau- und Metalltechnikfirma den Bayerischen Frauenförderpreis 2002 erhalten hat. Das Wölsendorfer Unternehmen mit rund 30 Beschäftigten, darunter sechs Frauen, ist einer von drei Preisträgern, die von Christa Stewens, Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen und zugleich Frauenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, in München geehrt wurden. Unter den ausgezeichneten "Kollegen" der Firma Schönberger finden sich große und namhafte Unternehmen wie BMW oder die Telekom. Und dennoch ist die Resonanz auf diesen Erfolg des Wölsendorfer Familienunternehmens in der Heimat bislang eher gering.

In ihrer Laudatio würdigte Christa Stewens "die Vorbildfunktion der Firma Schönberger in einer männlich geprägten Branche, die Bemühungen zur Gewinnung von Mädchen und Frauen für technische Berufe sowie die unkonventionellen familienorientierten Angebote".

Wie aber sehen diese Angebote aus? Es besteht grundsätzlich die Möglichkeit, Mehrstunden und Urlaub unbegrenzt anzusammeln und bei Bedarf entsprechend abzubauen. Zudem zählt in einigen Bereichen nicht die Anwesenheit nach Stunden, sondern die termingerechte Erledigung der Arbeiten. Mitarbeiter können in diversen Bereichen ihre Arbeit auch von Zuhause aus erledigen. Einkäufe können bei Zeitnot über das Personalbüro der Firma erledigt werden. Den Mitarbeitern wird kostenlos einheitliche Berufskleidung zur Verfügung gestellt, ein Wäscheservice übernimmt auf Kosten der Firma die Beschaffung und Reinigung sowie erforderliche Ausbesserungsarbeiten. Auch für die Kinder ist Platz Ist die Partnerin eines Mitarbeiters schwanger, wird er in den letzten drei Monaten der Schwangerschaft nicht mehr für heimatferne Montageeinsätze eingeplant. Die Juniorchefinnen der Firma unterstützen ihre Mitarbeiter bei der Wohnungssuche, beraten bei Baufinanzierung oder geben Hilfestellung bei Behördengängen. Jeder Mitarbeiter kann ein zinsloses Darlehen in Höhe von 2500 Euro in Anspruch nehmen. Bei Geburten und Hochzeit werden Beihilfen in Höhe der steuerfreien Höchstbeträge gezahlt. Mitarbeiter, deren Kinder einen Ganztages-Kindergarten besuchen, erhalten einen steuerfreien Kindergartenzuschuss, bei Bedarf können die Kinder auch mit an den Arbeitsplatz gebracht werden. Beiträge zur betrieblichen Alterversorgung, eine Unfallversicherung, Zulagen- und Prämiensysteme, Betriebsfest mit den Familien der Mitarbeiter sowie Gesundheitsangebote sind in der Firma Schönberger auch eine Selbstverständlichkeit. "Das sind uns unsere Mitarbeiter wert".

Auch die Familien der Mitarbeiter liegen den Junior-Chefinnen des Familienbetriebs am Herzen. Die Familien beeinflussen entscheidend die Arbeitsbereitschaft und Leistung der Mitarbeiter. "Wird einmal Außergewöhnliches verlangt, stehen die Familien stets hinter unseren Mitarbeitern". Dieses besondere Engagement für die Mitarbeiter zahlt sich aus, bestätigen Sabine und Andrea Schönberger übereinstimmend. "Das Betriebsklima ist sehr gut, die Mitarbeiter sind sehr motiviert und äußerst flexibel" - ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Das Traditionsunternehmen Schönberger fertigt, liefert und montiert Stahl- und Schweißkonstruktionen in allen Variationen. Im Rahmen eines 24-Stunden-Services sind die Mitarbeiter rund um die Uhr auch an Sonn- und Feiertagen kurzfristig einsetzbar - Flexibilität ist da eine Grundvoraussetzung. Und wenn eine Ehefrau einmal nicht so begeistert ist, von einem nächtlichen Montageeinsatz ihres Mannes, dann überbringt ein Bote schon mal Blumengrüße von der Firma als kleine Wiedergutmachung. Erstmals ein Mädchen "Wir müssen unsere Arbeitsplätze im Handwerk attraktiv gestalten"; sagt Sabine Schönberger. Die Juniorchefinnen sind froh, dass die Fluktuation in der Firma gering ist. Durch die Ansiedlungen im Wackersdorfer Innovationspark bestand bislang in der Region im Bereich Stahlbau und Metalltechnik ein Fachkräftemangel. Deshalb setzt die Firma verstärkt auf die Ausbildung. Besonders freuen sich Sabine und Andrea Schönberger darüber, dass unter den drei neuen Metallbauer-Azubis, die im September in der Firma Schönberger ins Berufsleben starteten, endlich auch ein Mädchen ist. Nadine Schrott aus Traunricht wagt sich bislang mit Erfolg in die Männerdomäne Stahl- und Metallbau. Andrea und Sabine Schönberger haben sich dort längst etabliert und einen Namen gemacht. Sie seien von klein auf mit der Firma aufgewachsen und in die Aufgaben hineingewachsen. Seit 1990 sind somit erstmals in der Geschichte der Firma Schönberger, die immerhin bis ins Jahr 1635 zurückreicht, zwei Frauen am Zug. Andrea Schönberger, Dipl.-Ing. (FH) Maschinenbau und Schweißfachingenieurin, hat die technische Leitung. Den kaufmännischen Bereich deckt Diplom-Betriebswirtin Sabine Schönberger ab.

49 Unternehmen bewarben sich in diesem Jahr um den Bayerischen Frauenförderpreis, der mit insgesamt 20 000 Euro dotiert ist. Ausgezeichnet wurde neben der Firma Schönberger 2002 die deutsche Telekom AG Südbayern und die Firma Winklhofer in München. Die drei Preisträger lobte Staatsministerin Stewens als "Erfolgsmodelle einer frauen - und familiengerechten Arbeitswelt" und damit als Vorbild für alle Unternehmen in Bayern.

Petra Beer-Dausch